Freitag, 19. April 2013

"1. Moses 22" Magda Szabó



Auch in diesem Roman überzeugt Magda Szabó mit ihrem außergewöhnlichem Talent, Emotionen und Spannungen in Worte zu fassen. Dieses Mal knüpft sie an die Eltern-Kind-Beziehung an. 
Die Eltern haben ihre Jugend verpasst - sie fiel gerade in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Damalige Ereignisse, Ängste und Traumata haben sie so stark geprägt, dass sie unfähig sind ihre Kinder unbeschwert zu erleben, erziehen und nicht zu belasten. Zu stark auf sich konzentriert, zu egoistisch sind sie nicht im Stande ihren Kindern eine liebevolle Kindheit zu schenken. Keins der kindlichen Probleme, keins der Erlebnisse kann sich an den Kriegsgeschehnissen, die den Eltern zuteil wurden, messen. 
Die Kindheit wird durch Vorwürfe und Kritik überschattet. Die Kinder wollen und können nicht den Anforderungen der Eltern gerecht werden - eine bedingungslose Dankbarkeit und falsch verstandene Höflichkeit sprengen das kindliche Verhaltenskodex.
In dieser traurigen Welt fehlt unbeschwertes Spiel, ehrliches Lachen aber vor allem Gefühle. 

Die Handlung des Romans spielt an einem Tag ab, von den Aussagen der einzelnen Protagonisten erfahren wir jedoch die Ereignisse des Vortages. Mit jeder Seite versteht der Leser besser, warum Gabi (noch ein Teenager) überstürzt Miklós geheiratet hat. Die Hochzeit scheint niemanden zu freuen. Die von den jungen Menschen geplante Heirat und Schwangerschaft sollten eine Flucht von der toxischen Kindheit sein. Der Plan geht jedoch nicht auf - das ersehnte Freiheitsgefühl stellt sich nicht ein.

Szabó stellt ihre Protagonisten parallel zu den biblischen Gestalten - Abraham und Isaak. Dadurch quasi zwingt sie dem Leser die Reflexion über das Opfer und seine Passivität auf. Wie gewöhnlich bewertet Szabó nicht, viel mehr möchte sie inspirieren. Sie wirft Fragen auf und provoziert. Lohnt ein Protest? Ist es der beste Ausweg für ein Opfer? Vielleicht gibt es gar keine idealen Auswege? Mit diesen Fragen ausgerüstet, hat man viel Stoff zum Nachdenken, bis man einen weiteren Roman der Ungarin liest.

Meine Bewertung: 5/6

Magda Szabó, Tylko sam siebie możesz ofiarować (Mózes egy, huszonketto), tł. Krystyna Pisarska, 168 str., PIW 1974.

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