Freitag, 25. März 2011

"Sandberg" Joanna Bator


Der Roman stand schon lange auf meiner Wunschliste - ich habe so viele positive Stimmen gelesen und gehört, dass ich ihn unbedingt lesen wollte. Dank einer lieben Blog-Freundin habe ich ihn bekommen und durfte ihn endlich lesen!

"Sandberg" hat mir tatsächlich gut gefallen aber begeistert bin ich von dem Roman nicht. Bevor ich aber über den Inhalt schreiben werde, muss ich kurz bei der Sprache stehen bleiben. Bators Stil ist nämlich grandios! Ich war und bin begeistert. Sie konstruiert lange Sätze und spickt sie gleichzeitig mit vielen umgangssprachlichen Ausdrücken, die von einer unausgesprochen guten Beobachtungsgabe zeugen. Jede Person hat ihren eigenen Stil, ihre eigene Sprechweise, die Bator unfassbar gut übermitteln kann - über viele Ausdrücke habe ich mich kaputt gelacht, vor allem über die aufgesetzte Ausdrucksweise des Pfarrers. Mir fehlen wirklich die Worte, um Bators Stil zu beschreiben. Kurzum, man muss sie lesen!

Im "Sandberg" wird die Lebensgeschichte drei Frauen erzählt: der Großmutter, der Mutter und der Tochter. Zofia, Jadwiga und Dominika und ihre gemeinsamen Beziehungen bilden die Hauptachse des Romans. Im Hintergrund skizziert Bator die polnische Geschichte - vom zweiten Weltkrieg bis zur grauen Realität des Ostblock-Daseins. Jadwiga und Dominika leben in der Platte, die in Walbrzych (ehemalig Waldenburg) für die aus den Dörfern zugezogene Bevölkerung entstanden ist.
Abgesehen von den familiären Beziehungen verbindet die Hauptprotagonistinen nicht viel - sie haben unterschiedliche Charaktere, verschiedene Vorlieben und wachsen oder wuchsen unter ganz anderen Bedingungen auf. Sogar ihr Äußeres ist unterschiedlich. Dieses verleitet Dominika dazu, die Wurzel der Familie zu recherchieren. Dieses stößt auf Unverständnis ihrer Mutter, vor allem als sie bis jetzt unbekannte Tatsachen erfährt.

Bator schildert das alltägliche Leben im kommunistischen Polen wirklich meisterhaft. Ich musste sofort in Erinnerungen schwelgen - so vieles davon gehörte auch zu meiner Kindheit.

Die Romankonstruktion möchte ich unbedingt erwähnen: die Autorin geht bis in die Zeit des zweiten Weltkriegs zurück, springt beinahe unbemerkt zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, ohne die Chronologie der Hauptgeschichte zu stören.

Die männlichen Protagonisten bilden den Gegenpol zu den Frauen: alle sind schwach, unfähig und schwelgen im Selbstmitleid. Die Frauen werden zwar nicht glorifiziert, sie haben auch ihre Schwächen, aber alle versuchen ihr Leben bewusst zu gestalten und ihr Schicksal zu beeinflussen.

Ich habe zu Beginn geschrieben, dass ich von dem Roman nicht restlos begeistert bin - das liegt an zwei Faktoren. Erstens fand ich, dass Bator ihre Protagonisten mit etwas zu viel Sarkasmus schildert. Die Frauen sind alle einfach und nicht besonders intelligent - bei der Schilderung ihres Alltags hatte ich jedoch ständig das Gefühl, dass die Autorin dem Lesen immer wieder lachend zuzwinkert. Zweitens fand ich die Handlung, vor allem zu Schluss, zu unwahrscheinlich, zu aufgesetzt, auch wenn das Buch bis zum Ende an Spannung nicht verloren hat.
Ich werde trotz dieser Schwachpunkte den zweiten Teil sicherlich lesen.

Meine Bewertung: 5/6

Joanna Bator, Piaskowa góra, 443 Seiten, WAB.

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